Das Flugzeug sinkt langsam in Richtung des ausgetrockneten, rötlich schimmernden Bodens, Marrakesch liegt vor mir. Die Luft ist glasklar, die Mauern wirken versteinert und das Stadtgebiet ist klar begrenzt, kleiner, als ich erwartete, kleiner als eine Stadt mit knapp einer Million Einwohnern sieht es aus, das Flugzeug bleibt still stehen, ich trete nach draußen, es ist warm, die Sonne blendet – endlich wieder in Afrika.

Kleiner Marrakesch-Reisefüher

Auf meiner Reise begleitet mich der Reiseführer Südmarokko vom Michael Müller Verlag (Affiliate-Link – was bedeutet das?), der mir gut gefällt und den ich hier ergänzen möchte.

Die Sahara ist nicht mehr weit, spätestens dort hinter den mehr als 4.000 Meter hohen Bergspitzen des Hohen Atlas breitet sie ihre vertrocknenden Arme aus. Und der Hohe Atlas scheint nahe zu sein. Direkt über den Dächern der Häuser Marrakeschs scheinen die weiten Schneefelder zu schweben und ich freue mich schon auf die Weiterfahrt nach Süden, nach Sidi Ifni an der Küste des Atlantiks, doch zuvor gibt es noch viel in Marrakesch zu entdecken, der viertgrößten Stadt Marokkos – nach Casablanca, Rabat und Fès.

Die ATM am Flughafen von Marrakesch frisst gleich mal eine Kreditkarte, macht nichts, denke ich, es gibt ja noch eine zweite. Allerdings ist es dann nicht wie sonst üblich eine mehrtägige Aufgabe, die Karte wiederzubekommen, sondern der herbeigerufene Herr holt einfach einen Schraubendreher und schraubt die Maschine auf, reicht mir die Karte zurück. Cool, denke ich, das Land mag ich und steige auf dem Vorplatz in einen der bereits wartenden Busse ins Zentrum von Marrakesch.

Djemaa El Fna und die Medina

In der Nähe der Koutoubia-Moschee steige ich aus dem Bus und bin überraschend fast direkt auf dem berühmten Hauptplatz von Marrakesch, dem Djemaa El Fna. Versammlung der Toten oder so ähnlich bedeuten diese Worte, vielleicht, weil früher die Schädel von Toten dort aufgespießt wurden. Ich habe die hundert Jahre alten Fotografien aus einem Marrakesch-Reiseführer vor Augen, die zeigen, wie die Karawanen aus der Wüste hier auf die Händler der Stadt treffen. Vergilbte schwarzweiße Zeugen einer Zeit, die ich gerne erlebt hätte, als von hier aus weiter im Süden noch das ursprüngliche Abenteuer wartete.

Marrakesch in Marokko

Mein liebenswertes Hotel (Affiliate-Link – was bedeutet das?) ist nicht weit vom Platz Djemaa El Fna und so ruhe ich mich zunächst kurz aus, bevor ich mich ins Leben der Medina von Marrakesch stürze.

Nachmittags ist der Hauptplatz noch vergleichsweise leer, doch sobald die Dunkelheit naht, strömen von überall her die Menschen. Schlangenbeschwörer, Schauspieler, Musiker und Feuerschlucker. Geschichtenerzähler und Kampfsportler, überall auf dem Djemaa El Fna bilden sich Menschenkreise um Akteure, aus den Garküchen zieht der Rauch in dichten Wolken über den Platz, es ist laut und hektisch und wild. Da zu dieser Jahreszeit eher wenige Touristen in Marrakesch unterwegs sind, ist die Stimmung vielleicht noch ein wenig roher, einzigartiger, als wenn Du zur Hauptsaison hier herumläufst. Auf jeden Fall ein Erlebnis.

Marrakesch in Marokko

Das Gewirr der engen Gassen der Medina von Marrakesch ist undurchdringlich. Unerfahren ist es fast schon schwierig, aus dem Labyrinth wieder herauszufinden. Doch das Abenteuer ist es wert, es beschenkt Dich mit einer Fülle an Farben, Gerüchen und Geräuschen. Du kannst hier auf dem Basar vermutlich alles einkaufen, nimm Dir die Zeit, die Eindrücke in Dich aufzusaugen.

Und noch ein Wort zur Sicherheit: Ich habe mich in Marrakesch größtenteils sehr sicher gefühlt. An jeder Ecke wird Dir Marihuana angeboten, nimm Dich in Acht, solltest Du mit dem Gedanken spielen. Das ist in Marokko illegal und harte Strafen drohen. Auch viele andere Dinge werden Dir angeboten, willst Du sie nicht, reicht ein bestimmtes Nein meistens aus – und immer schön den Humor behalten! Damit lässt sich – wie an den meisten anderen Orten auf der Welt – fast jedes auftretende Problem lösen. Und sei Dir dessen bewusst: Lässt Du Dir den Weg zeigen oder Dich mit einer Schlange um den Hals fotografieren, dann wird von Dir eine finanzielle Gegenleistung erwartet.

Marrakesch in Marokko

Spaziergang durch den modernen Teil Marrakeschs

Wenn es Dir gelungen ist, aus dem Gewühl herauszukommen, lohnt es sich auch, die moderneren Teile von Marrakesch zu erkunden. Da die Entfernungen nicht besonders riesig sind, lässt sich Vieles gut zu Fuß machen und wenn Du merkst, es wird Dir zu weit, kannst Du immer noch eins der zahlreichen Taxis nehmen.

Ein gutes Ziel ist der moderne Teil um den Bereich Guéliz, dort findest Du viele Cafés, Bars und Einkaufsmöglichkeiten. Wenn Du noch ein wenig weiter gehen willst und eine herrliche Aussicht genießen willst, empfehle ich Dir meinen Artikel Marrakesch von oben.

Beim Spazierengehen durch das moderne Marrakesch kannst Du auch den Garten Jardin Majorelle besuchen, über den Du weiter untern noch etwas lesen kannst.

Das moderne Marrakesch

Das moderne Marrakesch

Das moderne Marrakesch

Der Jardin Majorelle in Marrakesch

Etwa einen Kilometer außerhalb der Medina befindet sich in nördlicher Richtung die Gartenanlage Jardin Majorelle. Anfang des 20. Jahrhunderts vom französischen Maler Jacques Majorelle angelegt, wurde der Garten später von Ives Saint Laurent gekauft und bis heute erhalten.

Es befinden sich auch ein kleines Museum und ein Laden auf dem Gelände. Das Hauptgebäude ist in einem wunderschönen Blau bemalt und Du kannst unter hohen Gewächsen und zwischen Brunnenanlagen und Kräuterbeeten auf ordentlich angelegten Wegen herumlaufen, sofern Dir die anderen Touristen noch Platz dazu lassen.

Der Garten ist schön und ein wenig Schatten tut in Marrakesch sicher jedem und jeder gut, doch schade, dass dem Jardin Majorelle deutlich anzumerken ist, was er inzwischen ist. Nämlich vor allem ein kommerzieller Touristenprogrammpunkt.

Jardin Majorelle in Marrakesch

Essen und Trinken

In Marrakesch findest Du an fast jeder Ecke tolles Essen. Egal, ob Du Pizza und Pommes suchst oder gutes, lokales Essen, Du solltest schnell fündig werden. Vegetarisch zu essen, ist in Marrakesch überhaupt kein Problem, probier doch mal die leckere Gemüse-Tajine. Das Essen ist dabei meistens sehr preiswert, selbst direkt am Djemaa El Fna. Wenn Du Dich auf eine der großartigen Dachterrassen setzt, die eigentlich jedes Café und jedes Restaurant dort anbieten, musst Du einen kleinen Aufpreis bezahlen, das ist aber nicht weiter schlimm, es ist herrlich, dem Leben von dort oben zuzusehen.

In den wenigen Supermärkten bekommst Du eigentlich alles, im Vergleich zu den Preisen auf der Straße sind diese aber eher teuer und das Erlebnis ist draußen auch besser. Sinnvoll ist es dann, wenn Du Alkohol kaufen willst.

Speziell mit Alkohol ist es auch in den Bars und Restaurants von Marrakesch etwas schwieriger, da musst Du ein bisschen besser wissen, wo Du ihn findest. In der Medina gibt es aber einige Orte, an denen Alkohol verkauft wird. Ein häufiger von mir besuchter Platz ist das Grand Hotel Tazi (Affiliate-Link – was bedeutet das?), dort treffen sich des Abends die Menschen (wie in vielen Bars in Marokko vorwiegend Männer), um Bier zu trinken.

Im Stadtteil Guéliz kannst Du zum Beispiel im Café Grand Atlas ein Bier trinken – allerdings nur im Innern, nicht auf der Terrasse, was im Allgemeinen überall in Marrakesch gilt.

Marrakesch Café Grand Atlas

Übernachten

Von zwei Hotels kann ich in Marrakesch berichten, dem Hotel Amira et Vacances in der Medina nahe des Djemaa El Fna und dem Hotel Narjisse (Affiliate-Links[?]) in der Rue Oqba Bnou Nafiaa.

Das Hotel Narjisse ist in Ordnung, aber nicht mein neues Lieblingshotel, allerdings lag das vor allem an meinem Zimmer, das nur Fenster nach innen hatte, vor denen sozusagen direkt der Gemeinschaftsraum des Hotels war.

Das Hotel Amira et Vacances dagegen mochte ich sehr gern. Die Zimmer waren zwar etwas eng und dunkel, aber die traumhafte Dachterrasse und das großartige vegetarische Frühstück, das dort jeden Morgen mit Aussicht über ganz Marrakesch serviert wurde, haben mir so gut gefallen, dass ich auf jeden Fall wieder kommen will.

Weiterreise

Karten für die CTM-Busse von Marrakesch aus zum Beispiel weiter nach Süden bekommst Du am Gare Routière an der Außenseite der Medina von Marrakesch. Aber Achtung: Busse fahren dann gerne auch mal von einer Station in der Nähe des Hauptbahnhofs ab, sie findest Du hier. Am besten, Du fragst genau nach, wann Du wo sein sollst, wenn Du einen der CTM-Busse nehmen willst und bist dann sogar etwas früher dort. An der CTM-Station gibt es auch ein Café und es ist nicht weiter schlimm, dort ein wenig zu warten.

Der Flughafen ist vom Zentrum aus in einer kurzen Busfahrt gut zu erreichen, er liegt ziemlich nahe.

Mit dem Zug kannst Du von Marrakesch aus nur in Richtung Norden fahren, zum Beispiel nach Casablanca. Die Fahrt ist angenehm und nicht zu lang und lohnt sich auf jeden Fall. Auch Casablanca – die größte Stadt Marokkos – ist ein spannendes Ziel.

Was gibt es in Marokko sonst noch zu tun?

Außer einer Fahrt nach Casablanca zum Beispiel mit dem Zug empfehle ich Dir vor allem auch die Fahrt weiter in den Süden, am besten mit dem Bus.

Meine Reise führte mich jedenfalls weiter. Von Marrakesch aus mit dem Bus und später dem Sammeltaxi immer weiter nach Süden bis an die Stelle, an der die Sahara langsam auf den Atlantik trifft, nach Sidi Ifni, das mein liebster Ort in Marokko wurde. Der Weg führt durch den Hohen Atlas, vorbei an riesigen, schneebedeckten Bergen und immer tiefer hinein in ödes, vertrocknetes Land, das beim näheren Hinsehen aber so viele Überraschungen bereithält.

Von Marrakesch nach Sidi Ifni

Von Marrakesch nach Sidi Ifni

Reiseliteratur für Marokko

Als Reiseführer kann ich für den Süden von Marokko das oben erwähnte Buch Südmarokko vom Michael Müller Verlag (Affiliate-Link[?]) empfehlen.

Wenn Du ein belletristisches Buch suchst, das die Atmosphäre von Marokko einfängt, dann probier doch mal Himmel über der Wüste von Paul Bowles (Affiliate-Link[?]) (spielt zwar in Algerien, aber das macht nichts) oder Frühling der Barbaren von Jonas Lüscher (Affiliate-Link[?]) (spielt zwar in Tunesien, aber auch das macht nichts).

One thought

  1. Tolle Bilder – anregender Text; gleich alles wieder da: das Licht, die Geräusche und Gerüche; Lust auf mehr (auf den Süden!)
    Vielen Dank und beste Wünsche für weitere Reisen

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