Mit meinem Auto an der Donau entlang zu fahren – bis ans Schwarze Meer – das war schon lange ein großer Wunsch von mir. Die Donau, der Fluss, der irgendwo in meiner früheren Heimat entsteht und dann in Richtung Osten irgendwo im Unbekannten verschwindet. Die Donau, der Name verspricht Abenteuer und den Weg in ein unbekanntes und wildes Osteuropa. Schon im Vorfeld wurde mir oft gesagt, das ist doch verrückt, das ist doch zu gefährlich und wie so oft hat sich später gezeigt, dass die Menschen bei so etwas im Allgemeinen zum Übertreiben neigen.

Der Roadtrip an der Donau entlang bis ans Schwarze Meer führt durch einige Länder. Von Berlin aus zunächst durch Tschechien, dann durch die Slowakei und bis nach Ungarn. Und weiter nach Südosten durch Serbien, Bulgarien und Rumänien.

An er Donau entlang durch Budapest

Roadtrip an der Donau entlang bis ans Schwarze Meer

Nach zwei Tagen auf der Straße von Berlin aus – ich habe nur das Nötigste im Auto dabei, Schlafsack, Kaffeekocher, Kleidung – verbringe ich erstmal eine Zeit lang bei einem Bekannten in Budapest, der Hauptstadt von Ungarn. Dort zeigt sich die Donau auch zum ersten Mal direkt aus der Nähe als auch hier schon relativ großer Fluss, dessen braunes Wasser träge nach Osten fließt.

Und mit der Donau fahre ich in meinem Auto ein paar Tage später auch weiter. Der nächste Stopp meines Roadtrips ist Belgrad, eine der interessantesten Städte am Ufer der Donau, die mich begeistert und deren düstere Stimmung mich melancholisch und abenteuerlustig macht. Am Zusammenfluss von Save und Donau merke ich dann auch, wie mächtig dieser Fluss sein wird. Bereits hier gibt es nur noch sehr selten Brücken über die Donau, zu breit ist das Wasser.

An der Donau entlang durch Belgrad

Eine Weile weiter östlich von seiner Hauptstadt Belgrad zeigt sich Serbien von seiner schönsten Seite. Sanfte Hügel, hübsche kleine Dörfer und verlassene Industrieruinen. Ich habe das Gefühl, Europa hört hier demnächst auf. Keine Ahnung, was danach noch kommt.

An der Donau entlang durch Serbien

Das Eiserne Tor steht nun kurz bevor. Ich versuche, eine schmale Straße direkt am Ufer der Donau zu finden und gurke durch winzige Dörfer. Ein kleiner Junge erklärt mir dann in bestem Englisch den Weg über ein paar winzige Feldwege. Zum Abschied, als ich mich für seine Hilfe bedanke, sagt er: It was my honor to help you Sir und ich wundere mich ein wenig und freue mich und fahre weiter, bis kurz darauf die Donau wieder vor mir erscheint.

An der Donau entlang

Das Eiserne Tor ist einer der Höhepunkte meines Roadtrips. Hier zwängt sich die Donau durch eine Bergkette, früher versanken hier Schiffe wegen der furchtbaren Strömung reihenweise. Mahlströme und Felsen rissen die Besatzungen in den Tod. Heute sorgt ein mächtiges Stauwehr zum einen für Strom und zum anderen für eine gezähmte Strömung. Auf der anderen Seite des Flusses ist bereits Rumänien zu sehen.

Burg am Eisernen Tor

An einer verlassenen Tankstelle neben einem ebenfalls verlassenen Bergwerk halte ich an und es beginnt zu regnen. Das Wasser des Flusses ist braun und später werde ich die Donau für eine Zeit lang verlassen müssen, denn die Border Police hat die Straße gesperrt und ich muss weiter durch die Berge fahren. Es wird Abend und mein Weg führt über einen winzigen unheimlichen Grenzposten nach Bulgarien und später über die vorletzte Donaubrücke zwischen Vidin und Calafat. Hinein nach Rumänien, wo ich das Auto todmüde auf einem Acker parke und augenblicklich einschlafe.

Tankstelle am Eisernen Tor

Roadtrip durch Rumänien

Dann geht es weiter auf rumänischer Seite bis ich die Donau schließlich bei Orjachowo wieder mit einer kleinen Fähre überquere. Stundenlang muss ich darauf warten, die Kommunikation mit dem Fährhafenpersonal ist schwierig. Aber es geht weiter. Die Grenzwächter sind humorvoll und in Bulgarien angekommen fühle ich mich wie in einem postapokalyptischen Film. Noch habe ich mich nicht an die alte sowjetische Architektur gewöhnt. Und mein Roadtrip geht weiter am südlichen Ufer der Donau entlang.

Grenze von Rumänien

Fähre über die Donau

Es geht mit durchschnittlich 30 Kilometern pro Stunde weiter nach Osten. Die Landschaft ist herrlich und ruhig und das Leben im Auto ist frei. Nachts finde ich Plätze, an denen es den Anschein hat, als käme hier nie irgendjemand vorbei. Ich schlafe im Auto bei offenem Fenster, von draußen sind nur die Geräusche der Natur zu hören.

Roadtrip-Leben

Schließlich schaue ich mir Belene an, das für einige delikate Besonderheiten bekannt ist. Fürchterliche Gefangenenlager, halbfertige Atomkraftwerke, bittere Armut und zerfallende riesige Hafenanlagen, Bauruinen, Vogelschutzgebiete. Überall stehen Schilder, dass das Photographieren strengstens untersagt ist. Eine eigentümliche Stimmung herrscht hier, eine andere Welt ist das. Ich fahre weiter mit dem Auto die Donau entlang.

Entlang der Donau durch Belene

Und einige Tage später erreiche ich das Schwarze Meer, fahre noch fast bis in die Türkei und könnte für immer weiterfahren. Doch ich muss leider wieder zurück. Aber irgendwann komme ich wieder. Die Autofahrt entlang der Donau ist sicherlich eine der interessantesten Routen Europas und eine der einsamsten.

Roadtrip ans Schwarze Meer

Schild in Bulgarien

Auf dem Rückweg in Drobeta-Turnu Severin aus dem alten sozialistischen Hotel Continental (Affiliate-Link – was bedeutet das?) einer der letzten wunderschönen Blicke auf den Fluss, der mir auf dieser Reise so richtig ans Herz gewachsen ist. Das Hotel Continental hat mir nicht nur wegen des herrlichen Ausblicks gefallen, sondern auch wegen der ruhigen, etwas melancholischen Atmosphäre. Am besten lässt man sich eines der Zimmer in Richtung Donau in den obersten Stockwerken geben.

Und wenn ich seit damals bei Donaueschingen auf der Autobahn 81 auf dem Weg zu meiner Oma in Konstanz über die Donau fahre, ist ihre Reise nach Osten nicht mehr das große Geheimnis hinter den Bergen der Schwäbischen Alb. Sondern sie ist für mich eine Menge an schönen und abenteuerlichen Erinnerungen an eine Fahrt in einen unbekannten Teil unseres Kontinents.

Die Donau in Rumänien

Das solltest du wissen

Es gibt schöne Bücher über die Donau, denen du viel Wissenswertes entnehmen kannst, mich selbst hat der Donau-Reiseführer DuMont Reise-Taschenbuch Reiseführer Donau (Affiliate-Link – was bedeutet das?) begleitet. Außerdem das als Plus-Mitglied kostenlose Kartenmaterial des ADAC, das oft eine große Hilfe war. Um noch tiefergehende auch geschichtliche Informationen über die Donau und alles, was mit ihr zu tun hat, zu bekommen, empfiehlt sich die Lektüre des Buches Donau: Biographie eines Flusses (Affiliate-Link – was bedeutet das?).

  • Je weiter nach Osten du kommst, desto mehr Zeit musst du für die gleiche Strecke einplanen, denn die Straßen werden abenteuerlicher zu befahren
  • Mit Englisch kommst du nicht sooo weit, Deutsch wird dagegen überraschend oft gesprochen
  • Es gibt eine schöne Dokumentation über die Reise an der Donau entlang vom Schweizer Fernsehen
  • An den Grenzübergängen kann es zu langen Wartezeiten kommen, fährst du durch Serbien (und das musst du, wenn du an der Donau entlang fährst), verlässt du die EU

Das sind meine interessantesten Erlebnisse

Die Fahrt an der Donau entlang funktioniert vor allem eigentlich als Gesamtkunstwerk. Es ist super, zu sehen, wie der Fluss, die Landschaft und die Menschen sich verändern, je weiter man nach Osten in Richtung des Schwarzen Meeres kommt. Doch einige der Orte, an denen ich vorbeigekommen bin, sind mir besonders wichtig geworden.

  • Belgrad
  • Die Landschaft etwas westlich des Eisernen Tors
  • Das südliche Ufer der Donau zwischen Rumänien und Bulgarien
  • Trostloser Charme: Belene

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Falls du nun auch Lust auf einen Roadtrip mit dem Auto durch Europa oder speziell ans Schwarze Meer bekommen hast, gute Fahrt! Weitere Ideen kannst du übrigens in den anderen Beiträgen meiner Serie Mit dem Auto durch Europa finden.

Und hier findest du die Antwort auf die Frage Durch welche Länder fließt die Donau?

4 thoughts

  1. Ein sehr ausführlicher Reisebericht, der zum Nachmachen anregt. Ich bin schon länger auf der Suche nach einer neuen Route für meinen nächsten Urlaub. Vielleicht nehme ich mir nur eine Teilstrecke davon heraus und fahre diese dann mit dem Fahrrad ab. Ich hoffe, es kommen noch weitere Beiträge darüber, die dann einzelne Abschnitte der Strecke näher behandeln.

  2. Hey!

    Wir starten am Montag unser Projekt „Let’s Bridge“, bei dem wir von Mannheim bis Odessa in einem Kleinbus mit 9 Personen fahren.

    Danke für Deine Beiträge, die sind sehr hilfreich!

    Wenn Du magst, kannst Du über die Starkmacher-Seite auf Facebook unsere Reise mitverfolgen.

    Liebe Grüße

  3. Ich bin letztes Jahr relativ lange über der Donau geflogen, da habe ich sie ewig vom Fenster aus verfolgt (ich war für 2 Tage in Sibiu, Rumänien). Als ich da so drüber flog und den Fluss bewunderte hatte ich mir überlegt, ob es wohl Spaß macht, die Donau mal komplett mit dem Fahrrad oder gar mit dem Auto abzufahren. Klasse, dass Du das schon gemacht hast! Ich erinnere mich auch gut an wochenlange Autotouren, je weiter man weg ist, desto ruhiger wird es meist. Das Schlafen unterwegs mit offenem Fenster im Nirgendwo kann ich mir auch gut vorstellen. Tolle Reise, danke für Deinen Bericht! Eine Frage noch: Wie lange warst Du unterwegs?

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