In Sarajevo treffen an den Ufern des Flusses Miljacka das Abendland und der Orient aufeinander. Von den Hängen der Berge bis hinunter zum Bett der Miljacka und der Innenstadt fließt das Meer der unzähligen kleinen Häuser, der Minarette, der leuchtend weißen Grabsteine und der Kabelleitungen. Es riecht nach Kohle, nach Frühling, der fast noch Winter ist, nach Kaffee und nach Rauch. Die Tauben fliegen auf dem Baščaršija-Platz um den Sebilj-Brunnen herum, eine Dame gibt ihnen Körner zu essen. Dunkel ist das Holz der Basarstände, grob geschlagen das Gestein der alten Mauern.

Knapp 300.000 Einwohner*innen hat Sarajevo heute – ungefähr so viele wie Karlsruhe – und die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina ist damit auch die größte Stadt des Landes. Langsam erholt sich die Stadt von ihrer unruhigen Vergangenheit, schon ist es zu spüren, dass die Menschen aus der ganzen Welt wieder gerne hier her kommen und es ist kein Wunder, denn Sarajevo ist ein spannendes Ziel, ein liebenswertes Ziel.

Blumen in Sarajevo

Zu Fuß durch Sarajevo

Am besten lässt sich Sarajevo zu Fuß erkunden. Die Entfernungen in der Innenstadt sind nicht besonders groß und auf diese Art hast du die Zeit, all die kleinen Details zu entdecken, die Sarajevo ausmachen, alle halbe Stunde in eins der Kaffeehäuser zu gehen und dich treiben zu lassen. Eine Alternative zum Gehen ist die Verwendung der Straßenbahn. Mit ihr kannst du vom Zentrum aus, das im Osten der Stadt liegt, bis in den äußeren Westen Sarajevos fahren. Im Grunde geht es hin und her und in einem Kreis um die Altstadt herum. Viele der Wagen sind wunderschöne rote oder blaue oder giftig grüne alte Maschinen.

Wenn du auf beides keine Lust hast, gibt es auch noch einen Oberleitungsbus.

Blaue Straßenbahn in Sarajevo

Stari Grad – die Altstadt

Die Altstadt von Sarajevo rund um den Hauptplatz Baščaršija mit dem Brunnen Sebilj ist ein besonders Erlebnis. Hier treffen sich orientalisches Basar- und Straßenleben, österreichische Kaffeehauskultur, moderne Einkaufspassagen und Reisende aus aller Welt. An jeder Ecke ist ein Café, ein kleines Restaurant, eine Moschee, eine Ausgrabung oder ein Museum. Du kannst durch die Markthallen wandern oder dich auf einen kleinen Platz setzen, ein leckeres Stück Gebäck essen und den Menschen zusehen oder in einem der zahlreichen Pubs ein Bier trinken, zum Beispiel ein Sarajevsko Pivo, das direkt aus der Stadt kommt.

Die Altstadt von Sarajevo

Wird es dunkel, füllen sich die Straßen mit ausgehfreudigen Menschen, überall um dich herum ist Leben und du findest Dich hypnotisiert von einer Million von fremden und geheimnisvollen Eindrücken.

Zu Fuß geht es weiter durch Sarajevo, auf der südlichen Seite der Miljacka die Straßen an den Hängen hinauf, von wo aus du mit tollen Blicken über die Innenstadt belohnt wirst.

Weiter geht es dann nach Westen, vorbei an Hochhaussiedlungen und später einem Stadion – dem Stadium Grbavica, in den Vorgärten blühen die Apfelbäume, winzige weiße Wölkchen hängen am Himmel und werfen ihre Schatten auf die kahlen Bergrücken. Immer wieder stößt du auf die Friedhöfe mit den hellen, schneeweißen Grabsteinen, die wie spitze Wälder zwischen den Häusern auftauchen.

Friedhof in Sarajevo

Spaziergang durch Sarajevo

Aussicht über Sarajevo

Garten in Sarajevo

Bijela Tabija – die Weiße Festung

Östlich der Altstadt von Sarajevo, an der Stelle, an der sich die Miljacka in engen Kurven durch das schluchtartige Tal windet, kannst du den kleinen Sträßchen den Hügel hinauf an der Gelben Bastion vorbei bis hinauf zur Weißen Festung von Sarajevo folgen.

Eindrucksvoll liegt das alte Gemäuer auf dem Berg hinter Sarajevo und du kannst von dort oben in die eine Richtung über die ganze Stadt und die umliegende Berglandschaft blicken und in die andere Richtung über grüne Hügel und verschlungene Straßen-, Tunnel- und Brückenkonstruktionen. In der Ferne glitzern noch die schneebedeckten Gipfel der Berge, obwohl es heute schon warm ist in Sarajevo, heute an diesem Tag im April.

Skyline von Sarajevo

Auto in Sarajevo

Der Westen von Sarajevo

Der westliche Teil der Stadt ist vor allem geprägt von halb modernen Hochhäusern und größeren Straßen. Dazwischen befinden sich aber immer wieder schöne Parkanlagen und ich denke, es ist ohnehin gut, mehrere Gesichter einer Stadt kennenzulernen, eine andere Perspektive – abseits der Touristenwege. Zwischen den etwas heruntergekommenen Bürobetonmonstern zeugen auch heute immer noch stark in Mitleidenschaft gezogene Wände vom Bosnienkrieg, der etwa 20 Jahre zurückliegt. Am Ufer der Miljacka kannst du dann den Weg über das Stadtzentrum zurück in die Altstadt finden und dich für den Weg, den du geschafft hast, mit einem heißen Kaffee belohnen.

Gelbe Hochhäuser in Sarajevo

Hauptstraße in Sarajevo

Straße in Sarajevo

Hochhäuser in Sarajevo

Spuren des Krieges

Mitte der 1990er-Jahre schreibt Sarajevo ein düsteres Kapitel seiner Geschichte. Während des Bosnienkrieges wird die Stadt mehrere Jahre lang belagert, mehr als 10.000 Menschen werden dabei von beiden Seiten ermordet. In vielen der Gebäude von Sarajevo postieren sich in dieser Zeit Scharfschützen, die oftmals wahllos auf Menschen schießen, Frauen, Männer, Kinder.

Die Innenstadt Sarajevos ist einem permanenten Granatbeschuss ausgesetzt, der viele Menschen tötet und viele Häuser zerstört. Auch heute noch sind die Spuren des Krieges deutlich zu sehen. Im Stadtzentrum hat man sich große Mühe gemacht, die von Einschusslöchern übersäten Fassaden wieder herzurichten, doch an vielen Gebäuden sind sie immer noch zu finden.

Entfernt man sich dagegen etwas weiter von der Altstadt Sarajevos, geht in die Hochhaussiedlungen der Vorstädte, findet man zahlreiche Fassaden, die über und über von Einschusslöchern und Granatenkratern bedeckt sind. Vielerorts finden sich auch 20 Jahre nach dem Konflikt noch Ruinen von völlig zerstörten Gebäuden und man kann als Tourist Bürgerkriegs-Touren durch alte Tunnel und zum Flughafen von Sarajevo machen.

In Erinnerung an die Opfer des Krieges sind an manchen Stellen Tafeln angebracht. Die ewige Flamme in der Ferhadija-Straße brennt übrigens für die Opfer des Zweiten Weltkrieges.

Einschusslöcher in Sarajevo

Spuren des Krieges in Sarajevo

Ruine in Sarajevo

Praktische Ratschläge

Essen und Trinken

Die Innenstadt von Sarajevo ist äußerst lebendig. Es macht den Eindruck, die Menschen halten sich hier gerne auf der Straße und in den Cafés auf, von denen es eine schier endlose Menge zu geben scheint, an jeder Ecke der Fußgängerzonen gibt es eins. Dabei lasen sich sowohl erhabene Kaffeehäuser im „österreichischen“ Stil finden, als auch jugendliche, hippe Studentencafés. Es gibt orientalische Cafés, die auch tolles Gebäck verkaufen und es gibt die kleinen individuellen Cafés, wie sie sich auch in den deutschen Großstädten finden lassen.

Doch nicht nur an Cafés, sondern auch an Restaurants und an Bars ist Sarajevo reich. Ob europäische Küche im allgemeinen, Küche vom Balkan oder der arabischen Welt, alles lässt sich finden. Die folgende Auswahl an Cafés, Bars und Restaurants (alle in der Nähe der Altstadt von Sarajevo) ist von mir getestet und für gut befunden und im großen und ganzen mache ich während meiner Zeit in Sarajevo nur gute Erfahrungen, was die Qualität der Gastronomie anbelangt. Das Preisniveau ist dabei für deutsche Verhältnisse sehr angenehm und für Vegetarier*innen ist Sarajevo kein Feindesland.

Gleich zu Anfang: Das Remake in der Straße Kaptol, die von der Straße Mula Mustafe Bašeskije nach Norden abgeht, besuche ich öfters. Gerne sitze ich in der oberen Etage und genieße die ruhige Stimmung und das gute Essen und trinke dazu ein Bier. Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch dort.

Das Café Caffe Dibek in der Luledžina 3 inmitten des Basar-Gebiets von Sarajevo bietet orientalische Atmosphäre und hat einen herrlichen ruhigen Innenhof, auf dem es sich wunderbar eine Zeit lang aushalten lässt.

Ebenfalls orientalisch ist das Bäckerei-Café Slastičarna Carigrad in der Straße Sarači 111, wo du dich mit einem Kaffee und einem süßen Gebäckstück direkt auf das Brett im Schaufenster setzen kannst und mitten im bunten Leben auf der Straße bist.

Das Dženita in der Straße Prote Bakovica 10 ist ein kleines gemütliches Restaurant, das sich zum Beispiel sehr gut für ein kleines Mittagessen oder einen Salat eignet, am besten auf den Bänken, die draußen auf der kleinen Straße stehen.

Das Restaurant Karuzo in der Straße Dženetića Čikma sieht im Innern aus wie ein altes Piratenschiff. Der Betreiber spricht deutsch und du kannst dich mit ihm gut über die Stadt unterhalten. Das Preisniveau ist zwar für Sarajevos Verhältnisse etwas gehoben, das Essen schmeckt aber gut.

Das Café im At Mejdan, einem Musikpavillon in einem kleinen Park auf der südlichen Seite der Miljacka, sieht schön aus und du kannst beim Trinken deines Kaffees im Grünen sitzen und eine Zeitung lesen während um dich herum die Vögel zwitschern.

Für Longdrinks und Bier ist die Bar Mash in der Branilaca Sarajeva 20 ganz in der Nähe des Theaters zu empfehlen. Nicht besonders leicht zu finden, liegt das Mash eine Treppe hinauf in einem grauen Betonklotz.

Übernachten in Sarajevo

In Sarajevo finden sich überall nette Unterkünfte von einfachem Hostel bis zu luxuriösem Hotel. Ich kann das kleine Hotel Villa Una sehr empfehlen. Das Betreiber-Paar war super-freundlich und hat sehr viel dafür getan, meinen Aufenthalt in der Stadt möglichst angenehm zu machen. Vom Balkon und der gemeinschaftlichen Terrasse hat man eine schöne Aussicht über den östlichen Teil von Sarajevo und kann am Nachmittag in Ruhe dem Gesang aus den Minaretten zuhören, bevor die Sonne langsam hinter den Bergen versinkt und die Häuser in tiefes Orange taucht.

Morgens wird im Untergeschoss ein gutes Frühstück serviert, wobei auf vegetarische Wünsche eingegangen wird.

Die Villa Una liegt in einer ruhigen Seitenstraße. Zu Fuß sind es nur wenige Minuten den Berg hinunter bis zum Baščaršija-Platz, wovon die meisten anderen Orte von Interesse nicht weit entfernt sind.

Link: Villa Una in Sarajevo (Affiliate-Link – was bedeutet das?)

Sarajevo in der Literatur

Mein treuer Begleiter während der Reise durch Bosnien Herzegowina und Montenegro war der englischsprachige Reiseführer Southeastern Europe von Lonely Planet (Affiliate-Link[?]). Wenn ich auch kein großer Freund der Lonely-Planet-Reiseführer bin, dieser hat seinen Dienst doch recht zuverlässig getan.

Wenn du über den Zugang der belletristischen Literatur mehr über Sarajevo und die Menschen erfahren möchtest, kann ich das Büchlein Freelander von Miljenko Jergović (Affiliate-Link[?]) empfehlen, das die Geschichte einer Reise nach Sarajevo erzählt.

Ein weiteres schönes Büchlein ist die Geschichte Wie der Soldat das Grammophon repariert von Saša Stanišic (Affiliate-Link[?]). Es geht darin zwar nicht direkt um Sarajevo. Jedoch erzählt es dir eine Geschichte aus dem Land und bietet einen nachdenklichen Blick auf den Konflikt, der bis heute in Bosnien und Herzegowina besteht.

Die Umgebung von Sarajevo

Von Sarajevo aus geht es weiter in Richtung Südosten nach Nikšić, der zweitgrößten Stadt von Montenegro. Die Grenze von Bosnien und Herzegowina zu Montenegro liegt etwa 100 Kilometer von Sarajevo entfernt. Die Fahrt geht entlang des Flüsschens Drina, mitten hindurch durch eindrucksvolle Schluchten und hinein in die Berge. Diese wilde Gegend lohnt sich auch, um einen Ausflug von Sarajevo aus zu machen.

Eine andere schöne und interessante Fahrt ist die entlang des Flüsschens Neretva bis nach Mostar nach Südwesten. Mostar liegt etwas mehr als 100 Kilometer von Sarajevo entfernt.

Nach etwa 200 Kilometern Fahrt von Sarajevo aus über Mostar nach Südwesten erreichst Du die Adriaküste, entweder an dem kleinen zu Bosnien und Herzegowina gehörenden Küstenabschnitt oder du überquerst die Grenze nach Kroatien.

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