An der glänzenden Küste der türkischen Ägäis zieht sich die Innenstadt von Izmir entlang. Das Meer der Häuser ist dicht und läuft über die Hügel, scheint endlos zu sein. Im Kern der Stadt – in der Mitte der Rundung der Bucht – einige Hochhäuser. Blanke Fassaden irgendwelcher Luxushotels – das Hilton Izmir ist das höchste davon – , Banken und Großkonzerne. Die Häuser bunt und über allem liegt flimmernder Dunst. Die Straße windet sich den Hügel hinunter. Es ist nicht einfach, das kleine Hotel in den Gassen der Altstadt zu finden. Richtung Hafen, den Strandboulevard entlang. Bis zur Pier. Von dort Richtung Bahnhof und kurz davor rechts. Der antike Marktplatz kann auch nicht weit entfernt sein.

Izmir hat mehr als vier Millionen Einwohner*innen und ist damit größer als Berlin und nach Istanbul und Ankara die drittgrößte Stadt der Türkei. Oft wird gesagt, Izmir sei die europäischste Stadt der Türkei – was auch immer das heißen soll.

Geschichten aus Izmir

Die Stadt folgt einer eigenwilligen Ordnung

Die Straßen und Gassen sind hier an vielen Stellen einfach durchnummeriert anstatt aufwändig nach irgendwelchen halb oder ganz bedeutenden Personen oder Städten benannt zu sein. Mag sein, dass man Nummern leichter im Gedächtnis behalten kann als Namen.

Zu Fuß durch Izmir

Zu Fuß durch Izmir

Durch das kahle Treppenhaus des Hotels geht es hinunter. Dann zur Rezeption. Der Frühstücksraum liegt im Dunkel dahinter ums Eck. Direkt hinter der Rezeption, hinter und neben der Theke, bunte Karten und Stadtpläne. Auf Zetteln die Telefonnummern und Adressen von Busunternehmen. Broschüren der Museen und der antiken Stätten der Umgebung. Der Mann an der Rezeption, zurückhaltend und freundlich. Von Izmir aus mit dem Bus zum Beispiel nach Pergamon oder nach Ephesos zu fahren, ist einfach und interessant. Dazu kannst Du auch meinen Artikel Ephesos und Pergamon lesen.

Die Straße zum Meer ist vierspurig. Jeweils zwei Fahrstreifen in eine Richtung. In einigermaßen regelmäßigen Abständen hat die Stadtverwaltung, beziehungsweise haben unangebracht bezahlte Helfer*innen derer, Palmen angepflanzt. Oder sonst irgendjemand. Palmen, hoch bis zum vierten oder fünften Stockwerk der Gebäude.

Die Gebäude: Schlicht. Gammlig. Schwarz von den Abgasen der Fahrzeuge. Nahezu unter jedem Fenster einer der Propellorkästen von Klimaanlagen. Büros. Ab und zu ein älteres Wohnhaus. Man weiß es nicht. In den Erdgeschossen Barbiere, überall. Kleine Restaurants mit offenen Auslagen. Anzüge. Aller andere mögliche Kram, Hochzeitsmode.

Ans türkische Meer in Izmir

Die Luft ist dick von Dunst. Weniger Abgase als große Feuchtigkeit. Zumindest wagt man, das zu hoffen. Ab und zu kommt ein Junge und fragt nach etwas Geld. Ab und zu gibt man einem welches.

Izmir ist stets lebendig

Links der Eingang zum alten Marktviertel. Die Häuser hier kleiner und dem Aussehen nach mindestens hundertfünfzig Jahre alt. An der Ecke kann man für umgerechnet etwa einen Euro frisch ausgepresste Fruchtsäfte kaufen, was Du Dir bei Deinem Izmir-Besuch keinesfalls entgehen lassen solltest.

Aus offenen Geschäften laute elektronische Tanzmusik. Hupende Wagen. Der Widerhall zwischen den Häuserschluchten. Nachtclubs mit blauweißen Efes-Schildern – einmal lande ich versehentlich in einem. Wundere mich erst über oft einsam am Tisch sitzenden Männer. Freue mich über die surreale Musik-Aufführung. Wundere mich, dass sich zu den einsamen Männern oft rauchende junge spärlich bekleidete Mädchen setzen. Erst dann wird mir klar, wo ich bin. Ich trinke mein Bier, esse meine Nüsse und denke über die Welt nach und wie alles zusammenhängt.

Wo die Straße das Meer erreicht und in den Strandboulevard mündet, öffnet sich ein weiter Platz. Eine kleine Moschee steht auf einer seiner Seiten und ein Denkmal mit Uhrturm in seiner Mitte. Das Geschenk eines deutschen Kaisers.

Die Bäume sind geschmückt und tragen Tausende von kleinen Lichtern. In der Nacht wird das alles bestimmt schön leuchten. Irgendein Festtag steht bevor. Weihnachten.

Die Pier steht weit in die Bucht hinein. In der Nähe legen die Boote an. Mit ihnen kann man die Bucht überqueren. Auf die andere Seite. In einen anderen Stadtteil von Izmir.

Das Schiff ist von einem Schwarm Möwen begleitet worden. Einige der Passagiere haben kleine Stücke von ihren Broten in die Luft in Richtung der Vögel geworfen. Ein oder zwei Pelikane sind im Wasser der Bucht vorbei geschwommen.

Und jetzt sitze ich auf der Terrasse eines altertümlichen Kaffeehauses. Den Tee trinken die Männer aus winzigen Gläsern. Genauso wie den Kaffee aus winzigen Tassen. Männer allein mit ihren Gläschen und ihren Tässchen. Alleine mit ihren Zeitungen.

Tipps für eine Reise nach Izmir

Unterwegs in der Stadt

Izmir liegt am östlichen Ende des Golf von Izmir und gilt als die liberalste Stadt der Türkei. Viele Bars gibt es im Stadtteil Alsancak in der Nähe des Hafens von Izmir. Etwas weiter westlich ist die Überfahrt von Konak aus mit dem Schiff in die Stadteile von Izmir auf der anderen Seite der Bucht möglich. Dort findest Du zum Beispiel den Stadtteil Karşıyaka, in dem es sehr viele Geschäfte und gutes zu Essen gibt. Die Schiffe über die Bucht von Izmir gehören zum öffentlichen Nahverkehrssystem der Stadt und können mit den gleichen Tickets wie die U- und S-Bahn genutzt werden.

Zwischen dem Bahnhof von Basmane und dem Anlegeplatz Konak liegt das alte Marktviertel und der bunte Basar in den engen Straßen ist allemal einen Besuch wert.

Basar in Izmir

Alte Kostüme, Spaziergänge und ein Riesenrad

Noch etwas weiter östlich von Konak, vom Ufer ein paar Treppen den Hügel hinauf, befindet sich in der Straße Halil Rıfat Paşa Cd. 3 das Ethnografische Museum. Das spannendste daran ist eigentlich das ruhige erhabene Bauwerk – eine alte Villa, aber auch die Kostüme und die alten traditionellen Gegenstände sind unterhaltsam. Außerdem gibt es Eindrücke der früheren Architektur von Izmir zu sehen.

Zurück an der frischen Luft lohnt sich dann auch ein Spaziergang die Hänge hinauf in Richtung Kadifekale. Von oben hast Du zwischen den Häusern hindurch eine schöne Aussicht über Izmir und kannst die unzähligen wilden Katzen beobachten.

Auf den Hängen über Izmir

Anschließend kannst Du in den riesigen Kültür Parkı in der Nähe des Bahnhofs von Basmane (Basmane Gar) gehen und einfach ein wenig herumlaufen oder im Lunapark – dem kleinen Vergnügungspark im Kültür Parkı – eine Fahrt mit dem Riesenrad machen. Du findest den Lunapark hier.

Der Lunapark von Izmir

Als ich im Kültür Parkı spazieren gehe, fallen mir die Gruppen von Frauen auf, die in ausgelassener Stimmung nachmittags zu lauter elektronischer Musik unter den Bäumen am Ufer des im Park gelegenen Sees tanzen. Die Tore einer der Hallen ein Stückchen weiter sind weit geöffnet, die Menschen strömen hinein und hinaus, ich will wissen, was dort zu sehen ist und lasse mich mit ihnen in das Innere der Halle treiben. Und drinnen? Es ist eine Honigmesse, die hier gerade stattfindet, es ist laut und ein unbeschreibliches Durcheinander, es ist lustig, aber es wird mir zu viel, lieber suche ich eine der Konditoreien außerhalb des Parks von Izmir.

Mit dem Bus nach Ephesos und Pergamon

Sowohl Ephesos als auch Pergamon sind vom Busbahnhof – dem Otogar – von Izmir aus in etwa eineinhalbstündigen Busfahrten zu erreichen. Die Busse verschiedener Unternehmen verkehren regelmäßig. Du kannst Deine Tickets entweder in der Innenstadt von Izmir kaufen und Dich dann mit einem Shuttle-Bus zum Otogar transportieren lassen, wo Du nur noch auf die Abfahrt Deines Busses warten musst, oder Du fährst mit einer der öffentlichen Buslinien bis zum Otogar und kaufst Dir dort direkt ein Ticket. Am Otogar gibt es noch viele kleine Geschäfte wo Du Dir für die Fahrt etwas zu Essen und Getränke kaufen kannst. Lies dazu am besten auch meinen Artikel Ephesos und Pergamon mit dem Bus, dort findest Du noch einige weitere Informationen und Fotos.

Mit dem Bus auf die Halbinsel Çeşme

Auch die westlichste Spitze der Halbinsel Çeşme und die gleichnamige Stadt westlich von Izmir kannst Du mit einer etwa 90-minütigen Busfahrt erreichen. Dort ist ein Besuch des alten Kastells am Hafen und seines Museums schön, oder ein Spaziergang am Strand entlang, wo Du auch viele Cafés finden wirst. Auf dem Rückweg habe ich meinen Bus verpasst. Das war aber nicht weiter schlimm, denn ein anderer Bus hat angehalten und mich ein Stück weit mitgenommen. Scheinbar hat der Kontrolleur des einen Busses dann den Fahrer des anderen verständigt und so konnte ich einige Kilometer weiter in den richtigen Bus umsteigen. Verstanden habe ich die Situation nicht, aber am Ende kam ich sicher am Busbahnhof in Izmir an. Achtung: Nicht alle Busse fahren bis zum zentralen Busbahnhof – dem Otogar – von Izmir. An diesem Abend musste ich im äußersten Westen von Izmir aussteigen, wo sich ein weiterer großer Busbahnhof befindet.

Am Strand in Çeşme

Wohnen, Essen und Trinken in Izmir

Während meiner Zeit in Izmir habe ich im Hotel Olympiyat (Affiliate-Link – was bedeutet das?) gewohnt, einem kleinen Hotel im Stadtteil Basmane, mit dem ich sehr zufrieden war. Weitere Hotels findest Du überall in der Gegend, die Preise sind in Ordnung und das Zentrum von Izmir und die nächste Bus- oder U-Bahn-Station ist nicht weit.

Zahlreiche Restaurants und Cafés lassen sich überall in Izmir einfach finden. Dabei ist es kein Problem, sowohl traditionelles türkisches Essen zu finden als auch andere Sachen. In den türkischen Restaurants wählst Du oft aus einer Theke die Zutaten, die Du haben möchtest und diese werden Dir dann direkt auf den Teller geladen und samt Mineralwasser gleich an den Tisch gebracht.

In den Cafés wirst Du mit zahlreichen Variationen verschiedenster Gebäcksorten verwöhnt und selbst an den touristisch frequentierten Orten sind die Preise ziemlich in Ordnung. Deshalb spricht auch nichts dagegen, zum Beispiel am Asansör, einem mehr als hundert Jahre alten Aufzug vom unteren Teil der Stadt in den oberen, ins Café zu gehen, von wo aus Du einmal mehr die Aussicht über Izmir genießen kannst. Den Asansör und das zugehörige Café findest Du hier.

Izmir: In der Nähe vom Asansör

Izmir: In der Nähe vom Asansör

Izmir vom Asansör aus gesehen

Und abends kannst Du dann in eine Bar gehen und ein Efes-Bier oder Raki trinken oder Dir an einem der stets geöffneten Kioske ein Bier aus der Dose holen und Dich an die Promenade am Meer setzen. Ein besonderes Erlebnis ist es, mit dem Aufzug im Hilton Izmir bis nach oben zu fahren und von der Bar dort aus den großartigen Blick über Izmir und den Golf von Izmir zu genießen. In der Hotel-Bar sind wider Erwarten sogar die Preise für Getränke vergleichsweise niedrig – ungefähr so hoch wie in Berlin.

Am Ufer in Izmir

Und noch mehr Izmir-Reiseführer

Auf meiner Reise haben mich der Reiseführer Türkische Ägäisküste von Dumont und Türkei Westküste vom ADAC (Affiliate-Links – was bedeutet das?) begleitet. Beide enthalten einige Seiten über Izmir und sind in Kombination ganz gut zu gebrauchen. Wie so oft erhältst Du sämtliche relevanten Informationen aber auch vor Ort in Izmir.

Strand in Izmir

Strand in Izmir

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