Während ich in einer Bar in Tel Aviv sitze und ein Goldstar trinke, erinnere ich mich daran, wie mein Papa mir früher vom Gewässer Totes Meer erzählt hat. Ein Gewässer, von dem die Erfahrungen mit der Schwerkraft in Frage gestellt werden, fern, lebensfeindlich, weit weg. Nun bin ich hier, mich trennen nur gut hundert Kilometer von diesem sonderbaren Ort und morgen werde ich mich auf den Weg machen.

Tel Aviv-Totes Meer in zwei Stunden

Später berichtet mir ein Mann am Nebentisch, der mich angesprochen hat und mit dem ich ein weiteres Bier trinke, dass das Tote Meer ein wirklich schräger Ort sei. Er sagt zu seinem Freund, sie müssten viel öfter hinfahren, es lohne sich. Von Tel Aviv sei es nicht weit und alleine des Nachts an den Ufern des Toten Meeres könne man Dinge sehen. Dinge sehen und zwar nicht nur dann, wenn man zu viel geraucht hätte. Sondern es sei ein mystischer Ort, ein Ort außerhalb des normalen Raumes und außerhalb der normalen Zeit. Umso mehr freue ich mich auf die Fahrt durch die Wüste, als ich in mein Hotel zurückgehe (Hier gehts direkt zu meinem Hotel-Tipp).

Mit dem Auto durch die Wüste

Am nächsten Morgen hole ich den von zuhause aus bereits reservierten Mietwagen am Flughafen Ben Gurion ab. Hier findest Du weitere Informationen zu Mietwagen und Sabbat in Israel und warum es Sinn machen kann, ein wenig vorauszudenken. Und los gehts auf die leere Autobahn in Richtung Jerusalem.

Von Tel Aviv nach Jerusalem ist es nicht weit und nach etwa eine halben Stunde Fahrt hinauf in die grünen Hügel breiten sich die Ausläufer der Stadt vor mir aus, die Mauer zwischen Palästina und Israel verläuft entlang der Autobahn und hinter Jerusalem beginnt direkt die Judäische Wüste.

Wüste am Toten Meer

Bis zum tiefsten Punkt der Erde am Toten Meer

Durch so eine Landschaft bin ich bisher noch nie mit dem Auto gefahren, ich staune und freue mich und schließlich passiere ich den Parkplatz Meereshöhe, denn es geht noch viel weiter hinunter, das Tote Meer ist mit etwa -400 Metern schließlich der tiefste Punkt der Erde.

Von nun an befinden sich neben der Autobahn in regelmäßigen Abständen Hinweistafeln, wie weit genau man sich aktuell unter dem Meeresspiegel befindet und das Licht wird gleißender, auch mitten im Winter hat es deutlich über zwanzig Grad, im Sommer sollen hier Temperaturen von weit über 40 Grad herrschen.

Und schließlich liegt das Tote Meer vor mir. Der Horizont verschwindet im Flimmern der von Mineralstaub trüben Luft, es ist wie in einem Traum, in dem man nur das fokussiert wahrnimmt, was direkt um eine*n herum liegt. Alles, was weiter weg ist, ist unscharf und diffus. Wie in einem Nebel aus Licht.

Kurz hinter einem Militärkontrollpunkt parke ich und gehe das erste Mal ans Ufer des Toten Meeres – das lebendige Tel Aviv scheint ewig weit weg zu sein, obwohl es nur etwas mehr als 100 Kilometer hier her sind.

Parkplatz am Toten Meer

Am Ufer finde ich enorme Salzkrusten vor, die Erde ist ausgetrocknet, bis auf ein paar wenige spröde Büsche wächst nichts, am anderen Ufer sind im leuchtenden Nebel die Berge Jordaniens zu sehen.

Strand am Toten Meer

Totes Meer: Ein Bokek im Süden

Weiter geht die Fahrt nach Süden, bis zum Ende des Toten Meeres. Die Ufer sind unbebaut, die Felsen der Judäischen Wüste stürzen stürzen steil ans Ufer herunter und leuchten verbrannt in der Sonne. Überall sind Warnhinweise, dass das Schwimmen strengstens verboten se. Die Gefahr, in den Spröden Boden einzubrechen, sei überall gegeben und niemand will so tot wie das Meer sein.

Schließlich erreiche ich Ein Bokek (hier). Das ist die Stelle, an der ein paar Hotels stehen und an der du dein Auto parken kannst, um an einem öffentlichen Strand im berühmten Salzwasser des Toten Meeres zu schwimmen. Hier ist das Schwimmen bewacht, denn es droht Gefahr.

Ein Bokek liegt nicht mehr am Hauptteil des Toten Meeres, sondern an einem etwas weiter südlich befindlichen Teil. Also wundere dich nicht, wenn du von Norden aus der Richtung Jerusalems kommst, wenn das Tote Meer zuerst einmal zu Ende ist, bevor du am Ziel eintriffst.

Und als ich mich schließlich ins Wasser lege, muss ich lachen. Denn ich schwimme wirklich ganz einfach oben. Der Salzgehalt liegt bei etwa einem Drittel (das ist zehnmal so viel wie in anderen Meeren). Das führt dazu, dass Untergehen fast unmöglich ist. Ich kann mich sozusagen einfach ins Wasser setzen. Ich bin so leicht, dass es nicht möglich ist, auf der Brust zu schwimmen. Denn meine Beine sind dann nicht mehr unter Wasser.

Ein Steg, an dessen Geländer riesige Salzkristalle blühen, führt ins Wasser. Damit man sich am Boden, der hier aus Salz statt Sand besteht, nicht die Füße verletzt. Das Wasser des Toten Meeres hat etwa 20 Grad und eine halbe Stunde im Wasser ist heute gut möglich.

Ein Bokek am Toten Meer

Als ich mich später an der Luft trocknen lasse, bleibt eine dicke weiße Salzschicht auf meiner Haut zurück. Gut, dass es Duschen gibt, die mir beinahe die Haut von den Knochen reißen.

Auf dem Rückweg halte ich nochmal an, um das Tote Meer im Abendlicht zu betrachten. Und während ich neben der Straße stehe und Richtung Jordanien blicke, ist die Welt vollkommen verstummt. Kein Blätterrascheln ist zu hören, denn es gibt keine Blätter und es gibt keinen Wind. Keine Tierstimme ist zu hören, denn es gibt keine Vögel, alles ist tot und verlassen. Nichts ist zu hören, nicht das kleinste Geräusch und ich denke mir, mein Gesprächspartner in Tel Aviv hat vermutlich recht. Nachts alleine hier draußen und du siehst Dinge, die nicht von dieser Welt sind.

Wüste in Israel

Mietwagen in Israel

Mit dem Mietwagen durch Israel

Wenn du auch vorhast, mit einem Mietwagen von Tel Aviv ans Tote Meer zu fahren, helfen dir möglicherweise die folgenden Hinweise.

  • Meine Mietwagen-Reservierung über DERTOUR hat super funktioniert und war unkompliziert und verhältnismäßig günstig.
  • Am Sabbat fahren keine öffentlichen Verkehrsmittel. Die Mietwagenstationen am Flughafen Ben Gurion sind geöffnet. Allerdings musst du zwischen Tel Aviv und dem Flughafen ein Taxi nehmen, was ungefähr 35 Euro kostet.
  • Überall kann es zu Militärkontrollen kommen, am besten du hast deinen Pass und deine Permit of Stay stets bei dir, um dich auszuweisen.

Weitere Totes-Meer-Hinweise:

  • Im Toten Meer zu ertrinken, ist wohl ziemlich schwierig, jedoch ist es sehr gefährlich, Wasser in Mund und vor allem die Atemwege zu bekommen.
  • In Wunden und den Augen brennt das Salzwasser höllisch.
  • Es gibt viele Geschichten von Leuten, die im Boden in der Nähe der Ufer versunken sind.
  • Ein guter Platz, um in Tel Aviv nah am Strand zu wohnen, ist das Hotel Olympia (Affiliate-Link – was bedeutet das?).

One thought

  1. „An den Ufern des Toten Meeres könne man Dinge sehen. Dinge sehen und zwar nicht nur dann, wenn man zu viel geraucht hätte. Sondern es sei ein mystischer Ort, ein Ort außerhalb des normalen Raumes und außerhalb der normalen Zeit“. Unterschreibe ich ja sofort. Wir waren zwei Tage in der Gegend und es war die krasseste Landschaft in der ich war. Ich glaube sofort alles aus dem Alten Testament mit brennenden Büschen, Engeln aus Sonnenstrahlen und Tänzen um das goldene Kalb. Man fühlt sich definitiv jenseits von Allem.

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