Die Normandie ist eine der 18 Regionen von Frankreich. Sagenumwobene Orte und eine ruhige, weite Landschaft ziehen mich in ihren Bann. Endlose, menschenleere Strände, eine geheimnisvolle Dünenlandschaft und die finsteren Spuren des zweiten Weltkriegs lassen den Geist des Abenteuers spüren. Die Normandie verzaubert mich auf meinen einsamen Wanderungen und dann, wenn abends die kühle, salzige Luft des Ozean durch mein Fenster weht.

Hier erfährst du mehr über die Normandie und besonders die Cotentin-Halbinsel. Hier berichte ich von den Dünen bei Biville, von der Nez de Jobourg, von Hitlers Atlantikwall und seinen Überbleibseln, von gigantischen Stränden und von kleinen, malerischen Orten.

Lage der Normandie

Die Normandie liegt zusammen mit der Bretagne und der Region Pays de la Loire im Nordwesten Frankreichs. Sie reicht in etwa von Rouen bis zum Mont-Saint-Michel und hat etwas mehr als drei Millionen EinwohnerInnen. Ihre größte Stadt ist Le Havre mit etwa 170.000 EinwohnerInnen. Im Norden wird die Normandie vom Ärmelkanal begrenzt, der Meeresenge zwischen Frankreich und dem Vereinigten Königreich. Im Westen zeigt die Küste der Normandie in den offenen Atlantik. Hier liegen auch die Kanalinseln Jersey, Guernsey und Alderney in Sichtweite.

Bei Le Havre mündet die Seine ins Meer. Sie ist einer der größten Flüsse Frankreichs und fließt auch durch Paris. In der Nähe ihrer Mündung spannt sich die mehr als zwei Kilometer und 200 Meter hohe Brücke Pont de Normandie über ihr Wasser.

Fünf der 101 französischen Départments liegen in der Normandie:

  • Calvados
  • Eure
  • Manche
  • Orne
  • Seine-Maritime

Der nordwestlichste Zipfel der Normandie ist die Halbinsel Cotentin. Sie liegt im Département Manche. Ihre größte Stadt ist Cherbourg. Die Gegend ist auf weniger schöne Art bekannt für die Wiederaufbereitungsanlage La Hague und das Kernkraftwerk Flamanville. Von denen ist aber nicht viel zu bemerken und so verliebe ich mich in die Cotentin-Halbinsel.

Die Cotentin-Halbinsel

Die westliche Seite der Cotentin-Halbinsel ist geprägt von endlos langen Stränden und schroffen Steilküsten. Freundliche kleine Dörfchen liegen hinter der manchmal wirklich gewaltigen Dünenlandschaft. Die bekannteste davon ist die Dunes de Biville.

Der Grund für den Wechsel zwischen den weiten Buchten und den steilen Klippen ist übrigens der Wechsel von Gesteinsarten. Dort, wo das Gestein härter ist, stehen die Klippen. Dort, wo es weicher ist, gelang es dem Atlantischen Ozean in jahrtausendelanger Arbeit, Sandstrände und Buchten zu formen.

Man sagt, weil die Cotentin-Halbinsel so abgelegen liegt, hat sich die ursprüngliche Kultur der Normandie dort am besten gehalten. Na, wer weiß. Jedenfalls staune ich immer wieder, wie malerisch die kleinen Küstendörfer im Abendlicht liegen. Wie schön es aussieht, wenn die bunten Fischerboote auf dem von der Ebbe trockengelegten Grund ihres Heimathafens stehen.

Nebenbei: Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut ist in der Normandie enorm. Das Meer zieht sich an manchen Stellen mehrere Kilometer weit zurück. An den Stellen, an denen man bei Flut nasse Füße bekommt, kann man den Atlantik zu Zeiten der Ebbe am Horizont nur noch erahnen. Ein Paradies für Seevögel, Wattwürmer und leider auch für Austernfischer.

Unter anderem wegen dieser eindrucksvollen Strandkulissen eignet sich die Normandie ausgezeichnet zum Wandern. Doch nicht nur das Wandern entlang der Strände ist toll, sondern auch das Wandern entlang der Steilküste und der Klippen. Weiter unten gebe ich noch ein paar Tipps dazu.

Bucht in der Normandie

Die Dunes de Biville

In der Normandie findet man an vielen Stellen wunderschöne Dünenlandschaften. Die für mich imposanteste liegt, wie der Name unschwer erkennen lässt, bei Biville. Auf einem Gebiet mit über 100 Metern Höhenunterschied befinden sich unzählige meterhohe Dünen. Hinter der ersten Reihe der Dünen liegt eine kleine Lagune, die von Vögeln bevölkert wird.

Der steife Wind fährt durch das Dünengras, viel los ist hier nicht. Hinter der Kirche von Biville gelangt man an den Rand der Dünenlandschaft, an den Rand des Abgrunds. Von dort oben hat man einen weiten Blick über die Dünen von Biville und einen weiten Blick über das Meer. Ein ganz besonderer Ort ist das. Und auch Vauville ist von hier oben aus bereits zu sehen.

Bei Biville in der Normandie

Die Dünen von Biville

Jardin Botanique de Vauville

Der botanische Garten Jardin Botanique de Vauville lässt die Atmosphäre der Tropen hier an der Küste der Normandie entstehen. Verschlungene Pfade führen durch das geheimnisvolle Pflanzendickicht, verwunschene Teiche und Brunnen liegen unter den Blättern. Der Jardin Botanique de Vauville liegt neben dem Schloss Vauville, dessen Innenhof bei einem Besuch des Gartens ebenfalls besichtigt werden kann. Leider sind dort die Haustiere des Schlosses auf engem Raum eingesperrt, was mich traurig macht.

Mehr Informationen zum botanischen Garten von Vauville kannst du unter www.jardin-vauville.fr finden.

Das Kap Nez de Jobourg

Etwa 15 Kilometer weiter nördlich als Biville liegt Jobourg. Hier ist man dann der Wiederaufbereitungsanlage ganz nahe, die sich bedrohlich aus dem Dunst erhebt. Doch ich bin nicht deshalb hier oben, sondern wegen der Nez de Jobourg. Die Nez de Jobourg ist eine Felsnase, die in die Brandung des wilden Atlantiks reicht. Umgeben von unerreichbaren Buchten ist sie ein interessantes Naturschauspiel. Eine tolle Wanderung führt zunächst über die Felder und dann entlang der felsigen Steilküste. Doch zum Wandern in der Normandie weiter unten mehr.

Wer lieber auf das Zufußgehen verzichtet, kann auch gleich den Parkplatz „Nez de Jobourg“ in der Nähe der Auberge des Grottes ansteuern.

Nez de Jobourg

Bunker und die Spuren des Atlantikwalls

Spätestens seit dem Film Saving Private Ryan (in Deutschland: Der Soldat James Ryan) ist das Szenario der Landung der Alliierten in der Normandie sehr bekannt. Sehr nachdrücklich zeigt der Film das Gemetzel an einem der Landungsstrände, dem Omaha Beach.

Der Landung der Alliierten wollte Hitler eigentlich vorbeugen, indem er den sogenannten Atlantikwall errichtete. Diese Verteidigungslinie aus schwer befestigten Bunkeranlagen und Geschüztbatterien hat ihre Spuren an vielen Stellen der Normandie und des Cotentin hinterlassen. An den Stränden liegen riesige Stahlbetonklötze. In den Dünen verstecken sich dunkle Eingänge in die verwinkelten Bunker. Manche der Anlagen sind für BesucherInnen erschlossen und mit Informationen versehen, so zum Beispiel die Batterie von Azeville, über die ein Blogger-Kollege hier etwas mehr geschrieben hat. Andere der Anlagen verrotten langsam und versinken immer tiefer im Sand der Strände und der Dünen der Normandie.

Wenn du noch mehr darüber erfahren und lesen möchtest, empfehle ich dir an dieser Stelle auch noch meinen Artikel über die Festung Pointe du Hoc, eine der größten und geschichtlich bedeutendsten Anlagen des Atlantikwalls in der Normandie.

Bunker am Strand

Bunker bei Biville

Soldatenfriedhof in der Normandie

Die Strände der Normandie

Schöne Strände gibt es viele in der Normandie. Oft sind sie menschenleer und wild. Nur Möwen und tote Muscheln begegnen mir auf meinen langen Spaziergängen. Kilometer- und stundenlang kann ich herumwandern, das Meer beobachten, die salzige Luft atmen. Ich laufe, ich singe, kein Mensch hört mich. Ich lasse mich in den Sand fallen, erkunde auf schmalen Pfaden die Dünen. Und ich schaue dem Atlantik zu, wie er kommt und geht. Wie er sich stundenlang an den Horizont zurückzieht und dann in rasender Geschwindigkeit wiederkommt, die weite Wüste wieder überflutet. Mal ist der Strand 50 Meter breit, mal zwei Kilometer.

Die Normandie ist bekannt für Austern, die an Stäben gezüchtet werden, die bei Flut unter Wasser sind und bei Ebbe auf dem Trockenen stehen. Mit Traktoren fahren die Austernfänger zu den Stäben, mit Traktoren fahren die Fischer ihre Boote zum Wasser. Das ist die einzige Betriebsamkeit, die mir an den Stränden der Normandie begegnet. Niemand liegt hier ewig in der Sonne herum. Dazu ist der Wind zu rauh, das Meer zu unbequem. Am Horizont flimmern die Kanalinseln im Dunst über dem Wasser. Die Normandie erscheint mir verlassen, rauh und unendlich.

Vor dem Hafen von Pirou

Sonnenuntergang in der Normandie

In der Nähe von Coutences

Coutances hat knapp 9.000 EinwohnerInnen und liegt nicht weit entfernt von der Westküste der Normandie. Ihr Name war auch namensgebend für den Namen der Halbinsel Cotentin. Bekannt ist Coutances vor allem wegen seiner knapp 80 Meter hohen gotischen Kathedrale Notre-Dame de Coutances. Das Städtchen hat einige nette Cafés und einen freundlichen Altstadtkern.

Pirou

Pirou liegt etwa 20 Kilometer nördlich von Coutances an der Küste. Neben der Atmosphäre eines verschlafenen Fischerdörfchens kann man dort vor allem das Schloss bestaunen. Das Schloss aus dem 12. Jahrhundert ist eine faszinierende Anlage mit ganz besonderer Ausstrahlung. Wenn irgendein Bauwerk die Bezeichnung verwunschenes Schloss bekommt, dann dieses. Gegen ein kleines Eintrittsgeld kann man die Anlage und sogar ihr Dach betreten. Das ist sehr empfehlenswert.

Das Schloss von Pirou

Créances

In Créances-Plage endet die Welt sozusagen. Denn hier geht der Weg nicht mehr weiter. Lässt man das Auto auf dem Parkplatz am Strand stehen, kann man durch die Dünen und die Sandkarotten-Felder streifen. Ja, auch für Sandkarotten ist die Normandie übrigens bekannt. Nicht nur für Calvados, Cidre und Äpfel. Oder man beobachtet den Sonnenuntergang und trinkt dann noch ein Glas Wein in der Crêperie La Badine.

Bei Pirou in der Normandie

Portbail

Weil Portbail so schön zwischen der Mündung des Flusses Olonde und dem Meer liegt, möchte ich es hier zumindest erwähnen. Der kleine Abstecher dorthin lohnt sich.

Wandertipps für die Normandie

Das Wandern ist in der Normandie vor allem entlang der abwechslungsreichen Küste toll. Mit am schönsten finde ich die folgenden Wege:

  • Von Biville aus durch die Dünen bis nach Vauville und von dort entweder durch das Naturschutzgebiet oder am Strand entlang zurück.
  • Vom Parkplatz Plage d‘ Ecalgrain in der Nähe von Jobourg erst durch die Landschaft und dann ab dem Pointe du Bec de l’Âne an den Kaps Nez de Jobourg und Nez de Voidries an der Küste entlang zurück.
  • Von Les Falaises bei Champeaux an der Küste entlang bis nach Jullouville und durchs Landesinnere zurück. Besonders interessant sind hier die Aussichten auf den Mont-Saint-Michel und das stillgelegte Eisenbahngleis.
  • Von Barneville-Carteret aus entlang der Küste und durch die Dunes d’Hatainville bis zu einem Aussichtspunkt bei Hattainville und durchs Landesinnere wieder zurück.

Wandern in der Normandie funktioniert eigentlich immer so: Erst läuft man an der Küste entlang und dann durchs Landesinnere wieder zurück. Oder andersherum.

Reiseführer für die Normandie

Wer sich jetzt noch näher mit der Normandie beschäftigen möchte, kann sich den Reiseführer vom Michael Müller Verlag (Affiliate-Link[?]) über die Normandie mal anschauen.

Wer außerdem gerne wandert, sollte mal einen Blick in den Rother Wanderführer Normandie (Affiliate-Link[?]) werfen. Dort sind wunderschöne Wanderungen entlang der atemberaubenden Küste des Cotentin zu finden. Unter anderem auch welche der oben genannten.

Reiseliteratur

Als Reiseliteratur für die Gegend eignet sich das Büchlein Nie mehr Nacht von Mirko Bonné (Affiliate-Link[?]) sehr gut, das ich auch schon an anderer Stelle empfohlen habe. Die Geschichte spielt zu großen Teilen in der Normandie und das Buch ist insgesamt ist ein sehr gelungenes Werk.

Übernachten in der Normandie

Als guter Ausgangspunkt für das Erkunden der Normandie und besonders der Halbinsel Cotentin hat sich das Village des Dunes bewährt. Das Village des Dunes besteht aus mehreren Ferienhäusern, die direkt am Strand hinter den Dünen liegen. Nachts ist es hier absolut ruhig und man hört nur den Wind, der vom Atlantik herüberweht.

Buchen lässt sich ein Häuschen im Village des Dunes zum Beispiel unter einem der folgenden Links:

(Affiliate-Links – was bedeutet das?)

Ja, so ist das 🙂 Ich freue mich auf eure Erlebnisse aus dieser liebenswerten Gegend, auf eure Geschichten und Kommentare. Denn eins ist sicher: Auch ich will bald wieder in die Normandie.

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