Hast Du irgendwann schon einmal was vom Chadschi Dimitar gehört? Oder vom Busludscha-Denkmal, dem Haus der kommunistischen Partei Bulgariens? Nein? Mir ging das auf jeden Fall so, dass mir das Ding vollkommen unbekannt war. Jedenfalls bis ich nach Bulgarien kam. Damals bin ich mit meinem alten Opel Astra an der Donau entlanggefahren bis ans Schwarze Meer und habe dabei mehr oder weniger zufällig das Busludscha-Denkmal auf dem Chadschi Dimitar entdeckt – das Haus der kommunistischen Partei Bulgariens – und im Ernst, das ist einer der abgefahrensten Orte, an denen ich bisher war.

Das Busludscha-Denkmal

unterwegs zum Busludscha-Denkmal

In Plowdiw las ich etwas über die kommunistische Regierung und dass sie sich ein merkwürdiges Monument in die Hügel Bulgariens konstruiert hatte und wusste, das Konstrukt will ich sehen. Also fuhr ich am nächsten Tag die gut 120 Kilometer in die Berge. Schon von weitem ist das UFO auf dem Gipfel des Chadschi Dimitar auszumachen. Weitere 15 Kilometer führt die schmale Straße den Berg hinauf. Viele andere Autos sind nicht unterwegs.

Oben angekommen stehe ich als erstes vor den meterhohen Fackeln tragenden Fäusten und mache mich zu Fuß auf den Weg das letzte Stück den mit steinernen Platten geplättelten Pfad hinauf. Niemand ist dort, verlassen scheint nicht nur das Gebäude, sondern auch die ganze Gegend.

Das Busludscha-Denkmal

Oben dann die Enttäuschung, das vergitterte Tor lässt sich nicht öffnen. Verflucht, natürlich habe ich gehofft, irgendwie da reinzukommen. Nach einer Umrundung des Monuments und Überlegungen, wie ich an der Wand hinaufklettern könnte, entdecke ich in etwa zwei Meter Höhe ein schmales Loch in einer Ecke der Außenwand. Jemand hat ein paar Steine daruntergelegt, mit ein wenig Anstrengung kann ich mich hochziehen und durch den Hohlraum zwängen.

Busludscha-Denkmal: Gefahr!

Nicht nachmachen! Viele Lost Places habe ich schon von innen gesehen, das hier ist einer der gefährlicheren. Keine Ahnung, ob die Stufen noch lange halten, die ich hier hinaufsteige, finster ist es und das Tropfen des Wassers von der Decke der Halle ist schon von hier unten zu vernehmen.

Und dann bin ich sprachlos. In der riesigen runden Haupthalle sind herrliche Mosaike aus kommunistischer Zeit zu sehen, alles glänzt und glitzert, es ist wie auf einem anderen Stern. Die Tropfen fallen tief und ihr Geräusch ist nun sehr laut.

Das Busludscha-Denkmal

Als ich die Treppen noch weiter hoch steige, kann ich aus gigantischen Fenstern über die Berge schauen. Die kommunistische Partei Bulgariens hat sich für ihr Busludscha-Denkmal mit dem Chadschi Dimitar einen majestätischen Platz ausgesucht, Hut ab.

Das Busludscha-Denkmal

Ein paarmal gehe ich im Kreis außen auf dem offenen Gang herum und bin froh, den Umweg gemacht zu haben. Ein Wunder, dass hier oben niemand ist – woanders hätte man sicher längst versucht, aus dem Bauwerk des Busludscha-Denkmals Kapital zu schlagen – möglicherweise liegt es an Karl Marx, der mit kleinen Steinchen in die Wand der großen Halle vom Busludscha-Denkmal gemörtelt wurde. Hier steht es zum Glück einfach einsam auf dem Chadschi Dimitar. Es beginnt, leicht zu regnen und ich mache mich auf den Rückweg zum engen Loch in der Betonwand.

Das Busludscha-Denkmal

Ich gehe den geplättelten Weg vom Busludscha-Denkmal zurück zu meinem Auto. Dabei blicke ich mehrmals zurück und kann es kaum glauben, was ich dort sehe. Ein UFO aus einer anderen Welt ist auf dem Chadschi Dimitar gelandet. Wer weiß, vielleicht nimmt es uns irgendwohin mit.

3 thoughts

  1. Es ist absolut widersinnig, dass sich der Staat Bulgarien nicht um dieses Denkmal kümmert. Kommunismus hin oder her! Das ist ein einzigartiges Baudenkmal und die Restaurierung sollte eine nationale Aufgabe sein. Auf jeden Fall würde dieses Denkmal zu einem der Highlights Bulgariens bei dem Werben um Touristen. Mag es noch so „sozialistisch“ gewesen sein, man geht mit seiner Geschichte anders um als mit diesem Denkmal. Eigentlich schade. Für eine Restaurierung würde es bestimmt genug öffentliche Mittel geben. Diese Monument muß einfach erhalten bleiben und sei es als Übergroßes Mahnmal! So ist es einfach nur schade, schade, schade! Diese Geschichtsvergessenheit macht mich traurig.

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