Die Bunkerstadt Wünsdorf ist einer der bedeutendsten Schauplätze der Geschichte des nationalsozialistischen Deutschlands. Von hier aus steuerte die deutsche Wehrmacht große Teile des Heeres. Mitten im Wald lassen sich hier heute riesige Anlagen wie die Verbotene Stadt und die Bunker Zeppelin und Maybach besichtigen. Eindrucksvoll bekommt man so einen Einblick in die Arbeit der nationalsozialistischen Militärmaschine.

Anfahrt nach Wünsdorf und Führungen

Die Bunkerstadt Wünsdorf liegt etwa 30 Kilometer südlich von Berlin. Die Anfahrt kann an Wochentagen (Mo. bis Fr.) mit Bahn und Bus erfolgen. Vom Hauptbahnhof Berlin aus fährt man mit RE5 oder RE7 bis zum Bahnhof Wünsdorf Waldstadt. Von dort aus sind es dann noch etwa drei Kilometer mit dem Bus 618 in Richtung Potsdam. Am Wochenende fährt der Bus nicht. Da bleibt nur der Weg zu Fuß oder das Fahrrad.

Mit dem Auto ist es einfach. Der Bundesstraße 96 folgt man solange nach Süden, bis der Wegweiser zu Bunkerstadt Wünsdorf und Verbotener Stadt nach links zeigt. Das passiert etwa drei Kilometer nach dem Zentrum von Zossen. Direkt am Besucherzentrum befindet sich ein Parkplatz.

Viele Reiseführer zum Thema finde ich übrigens nicht. Zumindest erwähnt wird die Bunkerstadt Wünsdorf im ADAC Reiseführer plus Brandenburg (Affiliate-Link – was bedeutet das?).

Um die Bunkerstadt in Wünsdorf-Waldstadt zu besichtigen, nimmt man am besten an einer der Führungen teil. Diese Führungen kann man im Besucherzentrum buchen. Empfehlenswert ist zum Beispiel die zweistündige Bunkerführung. Dabei besichtigt man das Gelände der Bunkerstadt, die Bunker Maybach und Zeppelin von außen und schließlich noch den Bunker Zeppelin von innen. Eine Führung kostet 12 Euro pro Person, 8 Euro ermäßigt. Ich hatte das Glück, einen sehr fähigen Führer zu haben. Dadurch wurde die Bunkerführung zu einem echten Erlebnis.

Andere Varianten der Führung werden auch angeboten. Dazu informiert man sich am besten auf der Webseite der Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf: buecherstadt.com

Ebenfalls kann man sich dort über die Zeiten der Führungen informieren. Derzeit gelten folgende Zeiten:

Sommer: Wochenende und Feiertage 12, 14, 16 Uhr und Dienstag-Freitag 14 Uhr
Winter: Wochenende und Feiertage 13, 15 Uhr und Dienstag-Freitag 14 Uhr

Zusätzlich gibt es im Februar zwei Termine, zu denen Fotograf*innen die Bunkerstadt Wünsdorf alleine zum Fotografieren betreten dürfen.

In der Nähe der Bunkerstadt Wünsdorf befindet sich auch die Verbotene Stadt. Das ganze Gelände ist riesig. Während der Zeit der sowjetischen Besatzung war es komplett nicht zugänglich. Da die Bundesstraße 96 durch die Anlage führt, war sie einige Jahre lang gesperrt.

Der Maybach-Bunker

Die Bunkeranlage Maybach

Mein Führer stellt sich als Reserveoffizier und Geschichtslehrer vor. Er möchte sich in diesem Kontext lieber nicht als Führer bezeichnen, sondern als Erzähler. In militärischem Ton und mit weitreichendem Wissen führt er mich über das Gelände und durch die Bunker. Eine großartige Führung, ich kann nur jedem und jeder wünschen, dass sie oder er den gleichen Führer bekommt.

Gleich zu Anfang werde ich darauf hingewiesen, dass es im Bunker Zeppelin kalt wird. 18 Meter unter der Erde herrschen konstant zehn feuchte Grad Celsius. Dann geht es los, durchs alte rostige Tor der Anlage mitten hindurch durch die riesigen Häuser des Bunkers Maybach.

Aus zwölf Gebäuden besteht der Maybach-Bunker in Wünsdorf. Von hier aus wurden unter anderem auch die Panzer des deutschen Heeres kontrolliert. Da die Panzer Motoren der Firma Maybach hatten, der Name des Bunkers. In den zwölf Gebäuden war ein großer Teil der Führung des deutschen Heeres untergebracht. Nach dem Sieg der Alliierten sprengten Soldaten der Sowjetunion die Maybach-Bunker. Doch Tonnen von nationalsozialistischem Stahlbeton halten einiges aus. Und so sind die Gebäude der Bunkerstadt Wünsdorf auch heute noch gut zu sehen.

Doch warum sehen die Maybach-Bunker in Wünsdorf eigentlich aus wie Bauernhäuser aus Stahlbeton? Die Antwort ist Tarnung. Von oben aus der Luft sollten die Flugzeugbesatzungen der Alliierten denken, dass es sich bei den Bunkern um Wohngebäude handelt. Keine Bombe wert. Außerdem sollten von den spitzen Dächern die Bomben abprallen und herunterkullern. Alles in allem eine äußerst durchdachte Konstruktion. Sogar ein Druckluftsystem gegen Gasangriffe war in den unteren Etagen eingerichtet.

Ich staune über die düsteren, an U-Boote erinnernden Bunkergebäude. Dann geht es weiter zum unterirdischen Bunker Zeppelin.

Der Maybach-Bunker sieht aus wie ein Haus

Der Maybach-Bunker hat ein langes Dach

Der Zeppelin-Bunker

Der Zeppelin-Bunker in der Bunkerstadt Wünsdorf erhielt seinen Namen vom Standort Zossen. Zeppelin war der militärische Code für den Buchstaben Z. Z wie Zossen, also Zeppelin. Der Bunker liegt über drei Stockwerke in einer Tiefe von bis zu 18 Meter unter der Erde. Ganze Lastwagen konnten in den Bunker hineinfahren, um dort entladen zu werden. Im Bunker Zeppelin war die Deutsche Reichspost untergebracht. Hunderte von Personen arbeiteten in der Anlage. Über mehrere hundert Meter lange unterirdische Gänge war der Bunker Zeppelin mit den Bunkern Maybach und verschiedenen Zugängen verbunden. Bis 1994 wurde die Anlage weiter genutzt. Heute steht sie leer.

Nachdem wir die von den Soldaten der Sowjetunion nachträglich angebaute Schleuse gegen atomare Angriffe passiert haben, wandern wir durch die langen dunklen Gänge. Ich möchte hier nicht arbeiten, denke ich mir. Eine unangenehme Vorstellung. Auch unangenehm ist die Vorstellung, was von hier aus organisiert wurde. Beeindruckend auch, wie sich die Nutzung dieser Anlagen immer fortsetzt. Erst die Nationalsozialisten, dann die Sowjetunion und die DDR. Schließlich noch eine Zeit lang die Bundeswehr. Erschreckend der Gedanke mal wieder, dass es stets die gleichen Leute sind. Der Staatsapparat kommt nicht ohne sie aus. Und so wird über die Mörder nicht gerichtet, sondern sie werden wieder in ihre Ämter befördert. Dazu das schöne Beispiel unseres Führers von einem General, der – angefangen mit dem Deutschen Reich unter Hindenburg – in vier verschiedenen Systemen vereidigt wurde. Weiß jemand, wer das war?

Zum Schluss unserer Führung durchqueren wir einen langen Stollen und eine Treppe. Dann stehen wir wieder am Tageslicht. Nach der Kälte in der Tiefe fühlt sich der Sommer Brandenburgs wie eine tropische Hölle an. Die Luft stickig und feucht. Ich bin ziemlich beeindruckt. Und ich frage mich, welche mysteriösen Orte ich außer der Bunkerstadt Wünsdorf bisher noch verpasst habe. In den vielen Jahren, die ich nun in Berlin lebe und durch das Umland der Stadt und Brandenburg streife.

Zeppelin-Bunker

Eingang Zeppelin-Bunker

Gang im Zeppelin-Bunker

Tür im Zeppelin-Bunker

In der Nähe der Bunkerstadt Wünsdorf

Nicht weit von der Bunkerstadt Wünsdorf entfernt liegen die Verbotene Stadt und weitere bedeutende Gebäude der Heereslogistik des nationalsozialistischen Deutschlands. In der kommenden Zeit werde ich an dieser Stelle noch mehr davon schreiben. Wer sich bis dahin näher mit der Geschichte der Bunkerstadt Wünsdorf beschäftigen möchte, könnte sich zum Beispiel dieses Buch zulegen: Wünsdorf: Eine russische Stadt in der DDR (Affiliate-Link – was bedeutet das?).

Ich muss dazusagen, ich kenne das Buch selbst nicht. Aber ich denke, es kann sehr interessant sein, mehr über die Bunkerstadt Wünsdorf und die Verbotene Stadt Wünsdorf zu erfahren. Denn nicht nur die Nutzung der Anlage in der Zeit des Nationalsozialismus ist spannend. Auch vor und nach dem Nationalsozialismus war Wünsdorf einer der wichtigsten Standorte des deutschen und sowjetischen Militärs.

3 thoughts

  1. Gut geschrieben, gute Fotos. Bin zwar vor Ort. Aber konnte Bekannten, die gar nicht wussten, was es mit Wünsdorf als Militärstandort auf sich hat durch Deine Seite fix mal zeigen, wovon ich immer spreche. Neben der offiziellen Website, eine wirklich gute Schilderung. DANKE.

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